Warum ich Pferde male: Kunst für Pferde, Freiheit und Respekt

Veröffentlicht am 31. August 2026 um 12:09

Manchmal brauche ich offenbar einen gebrochenen Fuß, um endlich einmal still genug zu werden. Nicht besonders elegant, diese Erkenntnis. Aber durchaus wirksam. 

Seit Wochen bin ich mehr oder weniger zum Langsammachen verdonnert. Und während meine innere Perfektionistin sich beschwert, dass sie gerade nicht so kann, wie sie gerne möchte, schaue ich plötzlich wieder genauer hin. Nach draußen. Auf meine Kunst. Auf das, was mir Freude macht. Und erstaunlicherweise auch auf das, was mir schon sehr lange etwas bedeutet: Auf Pferde.

Das klingt zunächst nicht besonders überraschend. Pferde begleiten mich schließlich schon mein ganzes Leben.

Aber heute Morgen ist mir etwas klar geworden, das ich lange nicht wirklich greifen konnte:

Ich möchte meine Kunst nicht einfach machen, weil ich gerne male. Ich möchte sie in die Welt bringen, weil ich möchte, dass Menschen wieder hinschauen.

Und zwar auf Pferde!

Auf ihre Schönheit, auf ihre Persönlichkeit, auf ihre Würde, auf ihre Freiheit, auf die Beziehung zu ihnen, auf den Respekt ihnen gegenüber. Und tagtäglich auch wieder mehr auf sich selbst.

Vom Haben zum Verbundensein

Ich glaube, ein Teil dieser Erkenntnis hat mit einem Schmerz zu tun, den ich lange lieber nicht so genau angeschaut habe. Ich habe keine eigenen Pferde mehr.

Ich musste meine Pferde abgeben, weil ich sie finanziell nicht mehr halten konnte. Und obwohl ich heute weiß, dass es damals die richtige Entscheidung war, steckt darin immer noch Trauer und Scham. Weil Pferde so sehr zu meinem Leben gehört haben. Zu meiner Identität, zu meinem Können, zu meinem Alltag. Vielleicht habe ich deshalb lange geglaubt, meine Beziehung zu Pferden sei weniger geworden, weil ich sie nicht mehr besitzen und nicht mehr täglich reiten kann.

Heute sehe ich das anders. Unsere Beziehung hat sich einfach verändert. Ich wurde von der Reiterin zur Beobachterin, fand hinter dem Können wieder mein kindliches Staunen beim Anblick dieser Tiere. Spürte jeden Tag wieder mehr dieses tiefe Verbundensein mit Pferden. Und stellte schließlich fest: "Ich muss kein eigenes Pferd besitzen, um mich für Pferde einzusetzen." Und plötzlich wird mein Herz ganz weit!

Eine Botschafterin, die sich lange nicht getraut hat

Ein bisschen verrückt ist, dass mir der Begriff „Botschafterin der Pferde“ schon vor langer Zeit begegnet ist. In Tierkommunikationen wurde er mir tatsächlich von Pferden selbst so oder ähnlich gespiegelt. Mehr als einmal. 

Ich konnte das nie richtig annehmen. Botschafterin? Wer bin ich denn?

Ich weiß doch längst nicht alles. Ich kenne nicht jede Organisation. Ich kann nicht jede politische oder wirtschaftliche Verflechtung durchschauen. Und gerade beim Tierschutz weiß ich, dass man genau hinschauen muss. Denn nicht überall, wo Tierschutz draufsteht, sind automatisch nur gute Absichten dahinter.

Und dahinter steckt noch etwas anderes:

Ich hatte Angst, mich nicht gut genug ausdrücken zu können.

Was, wenn ich sichtbar werde und Menschen mit mir sprechen wollen? Was, wenn ich nicht die richtigen Worte finde? Was, wenn ich das, was ich für Pferde sagen möchte, nicht klar genug transportieren kann? Und ganz klar war mir immer: mit dem Finger persönlich auf andere Menschen zu zeigen, ist bei aller Pferdeliebe nicht mein Weg!

Heute denke ich:

Vielleicht muss ich gar nicht die große Rednerin werden.

Meine Sprache und meine Bühne sind anders! Meine Sprache ist ein Pferd, eine Frau, eine Linie, meine Bühne ist gar kein Mikrofon, sondern ein Stück Papier, Zeichenkohle, eine Farbe, in Wort.

Wieder hinschauen

Seit einigen Jahren folge ich zum Beispiel Skydog, einer Organisation, die sich in den USA für gerettete Wildpferde einsetzt. Und seit längerer Zeit auch der Help Alberta Wildies Society in Kanada, die Wildpferde beobachtet, dokumentiert und sich für ihren Schutz einsetzt.

Was mich daran berührt, ist nicht nur die Frage, ob diese Arbeit in Nordamerika stattfindet, denn natürlich ist das weit weg. 

Aber meine grundsätzliche Frage ist überhaupt nicht weit weg: Wie schauen wir Menschen auf andere Lebewesen?

Was sehen wir, wenn wir ein Pferd betrachten? Ein Sportgerät? Ein Zuchtprodukt? Einen wirtschaftlichen Wert? Eine Leistung?

Oder sehen wir ein fühlendes, soziales, intelligentes Lebewesen mit einer eigenen Persönlichkeit und eigenen Bedürfnissen?

Diese Frage geht für mich weit über Wildpferde hinaus. Wildpferde transportieren sie für mich nur klarer als viele unserer domestizierten Sport- und Nutzpferde. Und sie berührt auch unsere Beziehung zur Natur und letztlich zu uns selbst. Ich glaube nicht, dass wir als Menschheit dauerhaft Geld von Werten entkoppeln können. Wir können nicht immer mehr auspressen, verbrauchen, optimieren und verwerten und gleichzeitig glauben, dass alles so bleiben kann, wie es ist.

Das betrifft Tiere. Es betrifft Natur. Es betrifft Landwirtschaft. Es betrifft unseren Umgang miteinander. Unsere ganze Erde und vor allem uns selbst!

Aber ich möchte daraus keinen großen politischen Essay machen. Das ist nicht meine Sprache.

Mein Thema sind Pferde.

Und durch Pferde kann ich vielleicht eine Tür öffnen.

Frau und Pferd

Vielleicht ist deshalb auch die Verbindung von Frau und Pferd für mich so wichtig.

Ich sehe darin so viele Parallelen. Verletzlichkeit, Kraft, Nähe, Grenzen, Vertrauen, Freiheit, Respekt, den eigenen Körper spüren, zuhören, nicht alles kontrollieren müssen, eine Beziehung eingehen, in der das Gegenüber eben nicht einfach funktioniert.

Ich kann nicht für Männer sprechen. Das möchte ich auch gar nicht. Aber ich kann für das sprechen, was ich als Frau und als jahrzehntelange Reiterin erlebt habe. Und vielleicht ist genau darin meine Perspektive. Nicht das Pferd als Dekoration. Nicht die Reiterin als Heldin. Sondern zwei Wesen in Beziehung.

Vielleicht wird daraus eine neue Bildsprache

Und dann kam in den letzten Tagen noch etwas dazu, das für mich zunächst wie ein ganz anderes Thema aussah: Kalligrafie.

Ich liebe Buchstaben und Sprache schon immer. Schriften faszinieren mich. Aber inzwischen reichen mir die „normalen“ Schriften immer weniger. Ich möchte, dass meine Schrift lebt. Dass sie schwungvoll sein darf. Bunt. Unperfekt. Verspielt.

Und plötzlich sehe ich Bilder vor mir, bei denen Pferde aus Buchstaben herauswachsen. Ein Pferdekopf, der aus dem Wort FREIHEIT entsteht. Eine Mähne, die aus einer kalligrafischen Linie wird.

Oder ganz anders: Eine Frau und ein Pferd, mit Zeichenkohle gezeichnet. Schwarz, grau, vielleicht ein bisschen roh. Und mitten darin ein einziges, kräftig buntes Wort:

RESPEKT. VERTRAUEN. WÜRDE. ZUHÖREN. FREIHEIT.

Vielleicht ist das meine Sprache. Nicht unbedingt lange Erklärungen. Keine großen Wahlkampfartikel. Schon gar nicht das Bedürfnis, jedem Menschen alles beweisen zu müssen.

Mir persönlich sagt ein Bild viel mehr, weil es mich tiefer und wertungsfrei berührt, ich es besser annehmen kann.

Ein Pferdeauge; eine Frau, die sich an einen Pferdehals lehnt; ein Fohlen bei seiner Mutter & ein einziges Wort. Der Rest darf beim Betrachter passieren.

Ich darf wieder träumen

Und plötzlich ist da auch wieder ein Traum, den ich mich lange kaum getraut habe zu denken. Ich möchte irgendwann von meiner Kunst leben können. Nicht nur irgendwie. Ich möchte damit so erfolgreich sein, dass ich mir mein kleines Naturschneckenhaus leisten kann. Ein kleines Haus im Grünen. Vielleicht 60 oder 65 Quadratmeter. Ebenerdig mit Atelierraum,  Natur und viel Ruhe zum Wahrnehmen und Reflektieren. Und von dort aus kann meine Kunst über das Internet in die Welt gehen.

Aber ich möchte noch etwas anderes: Ich möchte mit meiner Kunst auch Pferde unterstützen können. Organisationen, deren Arbeit ich kenne und denen ich vertraue. Vielleicht sogar irgendwann ein eigenes Refugium bauen. Vielleicht für Sorraia-Pferde oder andere Pferde, die einen geschützten Raum brauchen oder auch einfach, indem ich regelmäßig Geld dorthin gebe, wo Menschen gute Arbeit für Pferde leisten. Ich muss nicht alles selbst machen.

Ich muss nicht alle Pferde retten! 

Das kann ich auch gar nicht. Aber ich kann etwas beitragen, meine Kunst könnte dabei helfen, wenn und weil sie Menschen berührt. Das ist für mich plötzlich eine sehr schöne Vorstellung: Dass mein Erfolg nicht nur bei mir endet. Dass aus einem verkauften Bild vielleicht irgendwann ein kleiner Teil Schutz für ein Pferd wird. Dass Menschen durch ein Bild auf eine Organisation aufmerksam werden. Dass jemand durch ein Pferdeporträt innehält und plötzlich anders hinschaut. Und vielleicht entdeckt dabei sogar jemand etwas über sich selbst.

Und jetzt fange ich einfach an

Ich habe in den letzten Jahren so oft über meine Kunst nachgedacht. Über Stil, Richtung, über Websites, über Produkte, über die Frage, was ich eigentlich machen möchte und was mir beim Erschaffen wirklich langfristig Freude macht. Vermutlich werde ich meine Website jetzt zum ungefähr hundertsten Mal umbauen. Und weißt du was?

Es ist mir gerade egal.

Denn diesmal fühlt es sich nicht nach Suchen an. Diesmal fühlt es sich nach Finden an.

Ich möchte Frau und Pferd malen. Ich möchte Pferde malen. Ich möchte Portraits malen.

Ich möchte mit Kohle arbeiten. Ich möchte mit Farben arbeiten. Ich möchte Buchstaben anders zu schreiben lernen und schauen, was meine Hände daraus machen. Ich möchte Worte malen. Ich möchte Geschichten erzählen. Und ich möchte Menschen wieder zum Hinschauen und Hinhören einladen.

Ohne erhobenen Zeigefinger und ohne zu missionieren, das tun schon genügend andere Menschen und mich ermüdet es, das zu verfolgen. 

Sondern mit Schönheit, mit Verletzlichkeit, mit Kunst, mit meiner Liebe zu Pferden.

Das alles beginnt ganz klein mit einem einzigen Bild. Mit einer rothaarigen Frau und einem grauen Sorraia-Pferd. Und das ist genug, denn es ist ja nur der Anfang! Denn irgendwo muss ich ja anfangen.

Und ich glaube, ich weiß jetzt, womit: Mit Pferden, mit Frau und Pferd, mit meinen Werten als Kalligrafie, mit meiner Kunst.

Und mit diesem kleinen, aber sehr entschlossenen Wunsch: Ich möchte, dass wir wieder hinschauen.