Ich wollte nur mit Buchstaben spielen …

Veröffentlicht am 3. September 2026 um 14:48

… und plötzlich habe ich meine eigenen Symbole erfunden

Buchstabe S mit Pferd und Hund

Manchmal passieren mir die besten Sachen ja genau dann, wenn ich überhaupt keinen Plan davon habe. Gestern Abend wollte ich eigentlich nur ein bisschen mit Buchstaben spielen. Einfach so den Pinsel nehmen, Farbe ausprobieren, gucken, was passiert. Ich hatte nämlich neue granulierende Farben von White Nights gekauft – Metamorphosis – und wollte doch mal sehen, wie die sich machen, wenn ich damit Buchstaben male.

Und weil ich gerade sowieso ziemlich verliebt in meine Buchstabenexperimente bin, war DOROSART natürlich ein hervorragendes Versuchskaninchen.

Also los: Buchstaben malen, drehen, verbiegen, Farben und Buchstaben ineinanderlaufen lassen.

Nochmal versuchen, andersherum und irgendwann war ich mittendrin, so richtig! Ich hätte vermutlich die halbe Nacht weitermachen können.

Pinsel! Definitiv Pinsel!

Ich habe natürlich auch mit Finelinern herumprobiert. Kann man machen. Sie sind fein, ordentlich und wissen ziemlich genau, wo sie hinwollen. Mein Pinsel ist da anders. Der macht mit oder eben auch mal nicht.

Ich mag, dass eine Linie dicker wird, weil ich ein bisschen mehr Druck gegeben habe. Dass sie dünner ausläuft. Dass man sieht, dass hier eine Hand unterwegs war und kein Computer.

Und dann diese granulierenden Farben! Hach. Die Farbe sitzt eben nicht einfach nur auf dem Papier und macht ihren Job. Sie macht selber noch ein bisschen mit. Sie sammelt sich, verändert sich, granuliert vor sich hin und macht aus einem Buchstaben fast eine eigene kleine Landschaft. Genau das liebe ich. Es ist lebendig.

Und dann habe ich plötzlich gedacht: Symbol!

Da war dieser offene Kreis, oder diese Spirale. Keine Ahnung, eher vielleicht irgendetwas dazwischen. Ich hatte die Buchstaben von DOROSART miteinander verwoben und dabei entstand dieses Zeichen. Und plötzlich: Moment mal.

Ich mag Symbole doch so sehr! Das war überhaupt nicht die ursprüngliche Idee. Ich wollte keine Symbolsprache erfinden, ich wollte mit Buchstaben spielen. Aber da war es plötzlich: Ich mache gerade aus Buchstaben Symbole. Und dieser Gedanke hat bei mir sofort etwas ausgelöst, denn ich liebe Symbole.

Ich liebe es, wenn ein Zeichen mehr erzählen kann als ein ganzes Wort. Und jetzt entstehen hier plötzlich meine eigenen. Nicht am Computer und geometrisch perfekt, sondern mit dem Pinsel. Aus Worten, mit Farbe, mit Bewegung, von mir. Das finde ich gerade ziemlich herrlich.

Der Kreis darf ruhig ein bisschen schief sein

Ich glaube, ich weiß inzwischen auch ganz gut, was ich daran mag. Ich mag den Kreis und die Spirale. Aber bitte nicht so, dass ich dafür vorher Zirkel und Lineal auspacken muss.

Der Kreis darf offen sein, eine Linie darf einfach weiterlaufen, ein paar lockere Striche dürfen außen herumtanzen, Punkte dürfen auftauchen, vielleicht ein kleines Doodle. Oder auch einfach gar nichts.

Ich mag es, wenn das Ganze ein bisschen aufgelockert wird und nicht aussieht wie ein sauber konstruiertes Logo.

Denn mal ganz ehrlich: Ein perfektes Grafikerlogo bin ich nicht.

Und ich möchte auch gar keins sein. Ich möchte, dass man meine Hand sieht. Dass man erkennt:

Hier hat jemand einen Pinsel genommen. Hier ist eine Linie vielleicht ein bisschen anders geworden als geplant. Hier hat die Farbe etwas gemacht. Hier durfte etwas entstehen.

Das bin ich!

Und plötzlich waren da meine zwölf Funken

Und dann kam natürlich gleich der nächste Gedanke.

Denn für meinen Wochenkalender 2027 habe ich ja bereits meine zwölf Funken im Kopf.

Und jetzt stelle ich mir vor: Was wäre, wenn jeder dieser zwölf Funken ein eigenes Symbol bekommt? Nicht einfach irgendein kleines Symbol, das ich passend dazu irgendwo hinschreibe. Nein!

Das Symbol ist das Herzstück.

Ich nehme den Namen des Funkens, ich spiele mit seinen Buchstaben, ich verwebe sie, ich drehe sie.

Vielleicht verschwinden sie fast vollständig ineinander oder irgendwo bleibt noch ein Buchstabe erkennbar. Vielleicht entsteht eine Spirale oder ein offener Kreis, möglicherweise etwas, das ich vorher überhaupt nicht erwartet hätte.

Und wenn das Symbol fertig ist, darf daraus die ganze Bildwelt entstehen:

Frau. Pferd. Krafttier. Symbol.

Das gefällt mir gerade unglaublich gut, denn dann kommt das Zeichen nicht nachträglich auf das Bild.

Das Bild wächst aus dem Zeichen heraus.

Und dann fiel mir noch etwas auf …

Metamorphosis hat zwölf Farben.

Zwölf! Also wirklich. Manchmal muss man ja gar nichts groß planen. Man bekommt einfach einen kleinen Wink mit dem Zaunpfahl. Zwölf Funken. Zwölf Farben. Na bitte.

Und jetzt könnte jeder Funke seine eigene Farbe bekommen. Nicht nach irgendeiner Farbtheorie, weil Rot grundsätzlich für irgendetwas stehen muss und Blau für etwas anderes. Nein, ganz einfach:

Dieser Funke fühlt sich nach dieser Farbe an.

Und weil diese Farben so schön granulierend sind, bekommt jedes Symbol dadurch auch noch seine ganz eigene Farbigkeit. Seine eigene kleine Frequenz, seinen eigenen Klang. Das finde ich wirklich genial.

Ich glaube, ich entdecke gerade eine neue Art von DorosArt

Und vielleicht ist genau das der Punkt, der mich daran so begeistert. Ich habe nämlich nicht beschlossen: „Jetzt entwickle ich eine neue Bildsprache.“

Ich habe einfach gespielt und dabei etwas gefunden.

Erst einmal werden daraus zwölf Symbole für meinen Kalender, dann können daraus irgendwann noch ganz andere Bilder werden (eine Idee hab ich schon).

Vielleicht tauchen diese kleinen offenen Kreise, Spiralen, Punkte und verwobenen Buchstaben immer wieder auf, möglicherweise entwickle ich irgendwann tatsächlich eine ganz eigene kleine Symbolsprache. Aber das muss ich jetzt gar nicht wissen. Ich möchte sie erstmal malen und schauen, was passiert.

Denn das ist sowieso meine liebste Art, Dinge herauszufinden: Nicht alles vorher wissen, planen, sondern anfangen, ausprobieren, verwerfen, nochmal machen. Und irgendwann mittendrin stelle ich fest: „Oh. Guck mal. Da ist ja was!“

Und ganz nebenbei wird mein Kopf wunderbar ruhig

Das ist übrigens noch etwas, was ich an dieser Spielerei ganz besonders mag. Mein Kopf hat dabei nämlich etwas zu tun. Er überlegt:

Wo könnte der nächste Buchstabe hin?

Wie kann ich diese Linie weiterführen?

Kann ich das O hier hineinbekommen?

Was passiert, wenn der Kreis offen bleibt?

Und was macht die Farbe, wenn ich jetzt einfach …

Und während ich darüber nachdenke, passiert etwas ganz Schönes: Mein Gedankenkarrussell wird leiser. Ich stoppe es nicht bewusst, es bekommt einfach etwas anderes zu tun.

Ich denke, schaue, male und ich entscheide. Und gleichzeitig wird es innen ruhiger. Das ist für mich ein ziemlich wunderbarer Nebeneffekt.

Vielleicht ist Buchstabenmalen also nicht nur eine neue Spielwiese für meine Kunst. Vielleicht ist es auch ein kleines Gehirn-Ruhe-Spiel. Das darf bleiben!

Und jetzt?

Jetzt male ich.

Zuerst das Kalenderdeckblatt. Genauer gesagt: seine Schrift. Denn natürlich brauche ich jetzt erstmal eine Schrift für dieses ganze kleine Universum. Und auch die möchte ich nicht unbedingt am Computer zusammensuchen. Ich möchte ausprobieren, was passiert, wenn ich sie mit dem Pinsel erfinde.

Vielleicht wird sie schön, krumm, vielleicht gefällt mir ein Buchstabe überhaupt nicht oder ich male ihn zehnmal.

Vielleicht entsteht dabei wieder etwas völlig anderes. Und genau darauf freue ich mich. Denn eines habe ich bei diesem kleinen Buchstabenabend mal wieder festgestellt:

Die besten Ideen kommen bei mir offenbar gerne dann, wenn ich eigentlich nur ein bisschen herumspielen wollte.

Und das ist doch ein ziemlich guter Grund, einfach weiterzuspielen.

Also los, machst Du mit?

Doro mit Peer auf den Füßen unter dem Schreibtisch